Wenn einem die Kinder fehlen…

Zugegeben, geplant war dieser Beitrag nicht. Denn ich habe eine Unmenge anderer Arbeit auf dem Tisch liegen und bin froh, wenn ich den Stapel abarbeiten kann. Deswegen sind Fräulein Flunker und Napoleon gerade bei Grosi und Nonno. Und was tut die Mama? Sie vermisst die Kinder, obwohl die erst gerade wenige Stunden weg sind. Wenn einem die Kinder fehlen…

sehnsucht

Grosi, Fräulein Flunker und Napoleon

Meine Person, mein Sein und mein Wirken definiere ich nicht über meine Kinder. Schliesslich lebte ich eine Mehrzahl an Jahren ohne Kinder und kam wunderbar mit mir selber zurecht. Doch irgendwie spüre ich, dass sie nicht nur einfach meine und unsere Kinder sind – sie sind ein grosser Teil von mir. Ihre Emotionen sind meine Emotionen. Ihre Ängste sind meine Ängste. Ihr Lachen ist mein Lachen.

Ich bin weder weniger noch mehr durch sie. Sie machen mich weder wertvoller noch besser oder schlechter. Und dennoch haben sie mich verändert, in vielerlei Hinsicht. Und mehr und mehr merke ich, wie dankbar ich dafür bin. Für diese Verantwortung, die mich ungeschult getroffen hat und der ich mir bewusst bin, seit dem ersten Anzeichen, dass ein neues Lebewesen hier ist.

Diese Verantwortung bringt mich oft an Grenzen. Lässt mich Nerven verlieren. Gibt mir das Gefühl, im Hamsterrad zu laufen – oder schlimmer, zu stolpern. Diese Verantwortung lässt mich aber auch warm und weich werden, gefühlvoll und liebend. Voller Zuneigung und mit nichts mehr als dem Ziel im Herzen, diese kleinen Menschen mit bedingungsloser Liebe zu selbstständigen und bewussten Frauen zu erziehen.

So sehr ich es geniesse, gerade jetzt in diesen Minuten das Zuhause ganz für mich zu haben. Ohne Unterbrechung an meinen Arbeiten sitzen, den Kaffee heiss trinken und meine Lieblingsmusik hören kann. So sehr fehlen sie mir. Unsere Kinder. Ist das jetzt lachhaft? Bin ich nichts mehr ohne die Kinder? Schätze ich mich zu wenig? Stelle ich mich in den Hintergrund?

Ich denke nicht. Nein – ich weiss es, dass es nicht so ist. Ein Leben ist mit und ohne Kinder wunderbar. Beides hat Vor- und Nachteile. Weder das eine noch das andere ist zu bevorzugen weil es eine ganz individuelle Sache ist. Und so sehr ich meine Freiheit und mein allein-sein geniesse, so sehr fühle ich mich nicht komplett, wenn sie weg sind. Unsere Kinder. Nicht komplett im Sinne von, weil ich die Verantwortung spüre, in jeder Sekunde meines Seins. Ob Fräulein Flunker und Napoleon nun neben mir sitzen oder weit weg sind. Ich bin Mama. Ich bin zusammen mit Papa ihr sicherer Hafen. Der Ort an dem sie lernen, fragen, scheitern, üben, schreien, weinen, lachen, trotzen, Fehler machen dürfen. Ich bin zusammen mit Papa die Sicherheit, die sie für ihre Selbstständigkeit brauchen. Wir sind das Tor zu ihrer eigene Welt. Wir haben die Aufgabe Grenzen zu setzen, Horizonte zu zeigen, Freiheiten zu gewähren, Flügel zu stärken.

Sie brauchen mich und Papa. Unsere Kinder. Aber ich brauche sie wohl fast noch mehr. Ich brauche sie um ihnen meine unbändige Liebe zu zeigen. Um zu umarmen, zu kuscheln, Haare zu streicheln, Tränen zu trocknen, Geschichten vorzulesen. Ich brauche sie so unglaublich fest, dass sie mir jetzt, nach wenigen Stunde fehlen. So sehr fehlen.

Ich liebe euch, ihr wunderbaren Kinderlein. Vielleicht lest ihr das irgendwann in einigen Jahren und denkt, dass eure Mama gerade einen ziemlich emotionalen Moment hat. Und recht habt ihr, ihr lieben Kinderlein. Mama ist gerade emotional. Vor Sehnsucht, vor Vorfreude auf euch, vor Dankbarkeit euch zu haben. Denn ihr macht mich so unglaublich vielfältig. Dank euch kann ich Knetfiguren basteln, kann ich Prinzessinnenschlösser malen. Kann ich Steckperlenbilder im Akord bügeln und mit zwei Händen vier Dinge gleichzeitig tun. Dank euch kann ich sauer, traurig, froh, genervt, überglücklich, total ausgelaugt, himmelhochjauchzend, glückseelig sein.

Dank euch bin ich genau so, wie ich jetzt bin. Und das ist wunderbar. Danke Fräulein Flunker, danke Napoleon – ihr macht mich zusammen mit mir zu dem was ich bin. Und deswegen sage ich: wenn einem die Kinder fehlen… ist das ganz normal.

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