Wenn die Seele reist

Ich denke in den letzten Tagen oft an unsere Reise zurück. Mal bin ich in Koitiata, mal fahren wir nach Raglan. Mal koche ich in der kleinen Wohnmobilküche, mal waschen wir alle zusammen die Haare in einer Familienkabine des Campingplatzes. Oft fühle ich die Reise. Ich bin losgelöst, ich bin entspannt, frei. Ist das wohl, weil wir jetzt gerade unsere ersten Ferien zusammen verbringen, seit wir von unserer Reise zurück sind? Könnte sein. Wir haben den Alltag um einige Stundenkilometer verlangsamt und lassen die Seele baumeln. Wir reisen, auch wenn wir nicht wirklich von der Stelle kommen.

Rosa Hauswand in Louhans

Wir reisen, auch wenn wir nicht wirklich von der Stelle kommen? Was soll denn das heissen? Das soll heissen, wir leben in den Tag hinein. Wir entschleunigen den Tagesablauf. Wir fordern nicht nach Unterhaltung, wir erwarten keine Highlights. Unsere Reise hat uns an unseren geliebten Seelenort in Frankreich gebracht – der Bauernhof der Grosseltern von Fräulein Flunker und Napoleon. Ein Ort der alles und doch nichts hat. Ein Ort der alles und doch nichts hat? Was soll denn das schon wieder heissen? Das soll heissen, wir haben alles was die Seele zum frei sein braucht: Platz, Ruhe, Freiheit, Zeit und ganz viel Zusammensein. Und es hat nichts was uns ablenkt, den Tag in aller Ruhe zu geniessen. Wir haben keinen Erlebnispark, kein Kino, kein Freibad mit Kinderrutsche und kein Animationsprogramm. Zum Glück, denn all das brauchen wir nicht.

Geranien in Louhans

Hausfassade in Chalon

Blick nach oben in Chalon

Wie dazumal in Neuseeland, hat der Tag uns durch sich selber geführt. Er hat bestimmt, was wir gemacht haben. Und diese Tage waren die schönsten. Genau wie jetzt wieder. Aufstehen, irgendwann. Frühstück essen, zusammen, in aller Ruhe. Im Garten Himbeeren pflücken und direkt in den Mund stecken. In den Pool springen, Papa fragen, ob er einen Sprungturm herzaubern kann. Kann er dann auch sogar. Er holt einfach ein Baugerüst aus der Scheune. Vielleicht würde die Suva es als „unkonventionell“ benamseln, aber das ist egal. Die Kinder springen und lachen. Wir auch.

Knoblauch auf dem Markt in Louhans

Aprikosen auf dem Markt in Louhans

Karottenvielfalt aus dem Garten

Tomaten steckt man am besten direkt in den Mund

Wir reisen, jeden Tag. Wie dazumal in Neuseeland. Jetzt nicht mit dem Wohnmobil und nicht von Ort zu Ort. Aber wir Reisen mit unseren Seelen, unseren Herzen. Denn wir lassen sie frei, wir gönnen ihnen Auszeit vom „müssen“, „sollen“. Wir sind zurück gekehrt zum Einfachen. Das Einfache das wir so unendlich lieben. Wenn wir nicht in Gummilatschen durch den Garten stampfen und Zucchetti, Tomaten, Gurken und Auberginen ernten, dann misten wir die Hühner. Jacky und Necky sind sie getauft. Das verdanken sie Fräulein Flunker, Napoleon und ihren zwei geliebten Cousins. So wünscht sich Napoleon dann auch jeden Morgen bitteschön dass Dreiminuten-Ei von Necky. Und ich darf ihn nicht veräppeln und meinen, ich könne ihm ein anderes Ei  unterjubeln. Klein Napoleon weiss haargenau wie die Eier von Necky aussehen.

Altstadt von Louhans

Hausfassade in Chalon

Saint Pierre Kirche in Louhans

Wenn es uns mal zu heiss wird, schwingen wir in der Hängematte, die im Schatten aufgehängt ist. Oder wir machen ein Spiel im Haus drinnen. Dabei lassen wir alle Türen und Fenster offen, denn dann säuselt der Wind so schön und wir hören die Blätter in den Bäumen rascheln. Und wenn wir dann mal richtig Lust auf was Wildes haben, dann fahren wir in das alte Städtchen in der Nähe und trinken einen „double espresso“ in unserem Lieblingscafé.

Café Prunelle in Louhans

Innenhof in Louhans

Karussell am Wochenmarkt in Louhans

Wandmalerei in Chalon

So wie wir in Neuseeland die Natur gesucht haben, so tun wir es hier in Frankreich. Und es geht uns dabei genau so gut, wie damals. Wir reisen, an Ort und Stelle, aber unsere Herzen fliegen jeden Tag an die wunderschönsten Orte. Wir sind frei, wir fühlen uns unbelastet. Wir erwarten nichts und erleben doch alles. Für uns sind diese Zeiten das Auftanken unserer Seelen. Wir lassen los vom leistungsorientierten Alltag und gönnen uns Pausen, die wir als so wohltuend empfinden. Wir müssen nichts und dürfen alles – wie oft darf man das schon sagen?

Blick auf die Sâone

4 Gedanken zu „Wenn die Seele reist

  1. Monika Bühler-Vonesch sagt:

    Liebe Fio, ich habe deine lebendigen, farbigen und seelenwärmenden Gedanken genossen.
    Auch die Fotos sind prächtig.
    Danke!
    Monika

Kommentar verfassen