Im Süden des Südens – Weihnachten und Neujahr in Neuseeland

Und jetzt ist heute einfach so das Jahr 2017 zu Ende. Schwups und vorbei. Zumindest ist das hier bei uns in Neuseeland so, der Rest der Welt zieht früher oder später nach. Als wir gestern unseren Kindern sagten, dass morgen der letzte Tag des Jahres sei, wurden wir mit grossen Augen angeschaut: Und dann? Ja, und dann? Ein kurzer Blickwechsel zwischen mir und meiner besseren Superhälfte und unisono sagten wir: „Ja dann geht alles so weiter wie immer.“ So und nicht anders ist es nämlich. Und die kindliche Einfachheit, ihre Fähigkeit im Hier und Jetzt zu leben, hat uns mal wieder so richtig erwischt: Und jetzt? Dann ist das Jahr halt fertig, es fängt ja gleich wieder ein neues an. Nicht so weltbewegend. Und heute ist wie morgen ist wie übermorgen. Ja, so ist es wohl. Und genau diese kindliche Gelassenheit leben wir zurzeit im Süden des Südens in Neuseeland.

Das letzte Mal als ich von uns hören liess, waren wir gerade von Lake Tekapo weitergereist. Unser Weg führte uns zwischen riesigen Lupinenfeldern, die in rosa, lila, violett bis blau schimmernd leuchtend unsere Augen verwöhnten Richtung Omarama, Twizel nach Wanaka. Weiter ging es zum Lake Wakatipu. Die Farben der Lupinen liessen wir hinter uns, doch das Wasser des Lake Wakatipu liess uns erneut mit offenen Mündern staunen. Woher kommt bloss diese Farbgewalt? Seit wir in Neuseeland angekommen sind, sind wir nicht nur mit Sonne und Sommerwetter verwöhnt, auch unsere Sicht scheint oft wie gephotoshopt. Felsen, Pflanzen, Klippen, Bäume – alles sehen wir gestochen scharf, selbst aus der Ferne. Am Lake Wakatipu haben wir einen der schönsten freien Campingplätze gefunden, den Drift Bay. Von da aus ging es weiter über Mossburn – wir legten eine Kaffeepause ein, denn es gab ultraschnelles gratis Wifi und der Kaffee war auch ganz gut – und machten in Te Anau Halt für eine Nacht, bevor es zum Milford Sound ging.

Mystisch, naturgewaltig, unberührt, beeindruckend – es gibt wohl viele Worte, die den Weg zum Milford Sound beschreiben. Jeder wird da so die eigenen finden. Uns beeindruckte es am meisten, dass die Natur so vielfältig war. Urwälder, Seen, Laubwälder, Schneeberge, karge Gipfel, Felswände und hunderte von Wasserfällen. In der Milford Lodge angekommen, kriegten wir unser Stellplätzchen zwischen Bäumen und Büschen eingerahmt – fast ein wenig romantisch war es. Den obligatorischen Cruise im Milford Sound haben wir natürlich auch gemacht, und er hat sich unglaublich gelohnt. Eines der ersten Boote war das unsere und wir verliessen den Hafen mit dem Sonnenaufgang. Ich lasse die Bilder sprechen, denn ich will euch keine Adjektive um die Ohren hauen…

Nach zwei Nächten in der Milford Lodge fuhren wir zurück nach Te Anau. Im Redcliff assen wir zu Abend und liessen das tolle Ambiente auf uns wirken. Nun stand bereits der 24. Dezember vor der Tür und wir verabschiedeten uns von Te Anau um nach Queenstown zu fahren. Zum Apéro Pinot Gris im Pub am Hafen, dazu Knoblauchbrot und Ofenkartoffeln mit Sauerrahm. Danach eine Gemüse-Kokos-Pfanne aus der Camperküche – unser Weihnachtsmenu war einfach und simpel aber der Geselligkeit und Gemütlichkeit tat dies nichts ab. Wenn etwas die Weihnachtsstimmung trüben konnte, dann das sommerliche Wetter. Allerdings nur im Sinne von: wir können uns das Christkind im Bikini einfach schlecht vorstellen, und bei über zwanzig Grad huscht es wohl kaum im Schneeanzug um die Ecke…

Am 26. Dezember gingen wir frühmorgens zum Flughafen, Grosdädi und Grosmami verabschieden – unsere „Tschau Sepp“ Lieblingsgewinner und –verlierer flogen nach vier wöchiger Reise mit uns wieder in die Heimat. Adieu mes chers, es war uns eine Freude. Elin musste lange weinen, aber das gehört zum Abschied, wie auch die Vorfreude auf all die Wiedersehen mit den Zuhause Gebliebenen. Auch ich musste an den Weihnachtstagen manchmal leer schlucken, hatte ich doch noch nie diese Zeit ohne meine Eltern und ohne meine Schwester verbracht. Auch wenn wir unsere Reise so sehr geniessen, so fehlen uns unsere Familie und unsere Freunde doch sehr. Als die Tränen getrocknet waren verbrachten wir noch einen wunderbaren Tag in Queenstown und fuhren dann über Arrowtown und den Cardrona Pass nach Wanaka.

Hier schlugen wir die Zelte auf – äh das Wohnmobil. Also wir stellten es hin. Also genauer genommen stellte es meine bessere Superhälfte hin. Der kann nämlich richtig gut Autofahren. Und das inkludiert auch 7.2 Meter lange Wohnmobils. Mit einer Breite von 3.3 Meter. Und er fährt das Ding rückwärts. RÜCKWÄRTS – IN EINE PARKLÜCKE. Hätte ich ihn nicht schon vor 10 Jahren geheiratet, dann täte ich es jetzt sofort. Ein Mann der ein riesengrosses Wohnmobil rückwärts einparken kann und dabei noch so verdammt gut aussieht – so was find ich nie wieder. Ein Hoch auf meine Superhälfte. Du bist super!

Fertig mit der Schwärmerei, das interessiert hier ja keinen. Auf jeden fall sind wir jetzt in Wanaka. Zum zweiten Mal. Und hier tun wir mal kurz verschnaufen. Machen eine Pause und leben in den Tag hinein. Eigentlich ist das ja nichts anderes, als das wir bereits seit vier Wochen machen. Jetzt bleiben wir aber mal an Ort und Stelle und tun dies und das von hier aus. Wir haben eine Angelrute und eine Lizenz gekauft und gehen fischen. Bis jetzt ohne Erfolg, aber wir reden uns das einfach schön. Spass macht’s trotzdem. Am Donnerstag bestiegen wir den Roys Peak Track. Schön war’s, streng war’s. Wir liebten es und machen es nicht noch einmal. Leute, ich bin Mitte Dreissig und mein Körper fühlt sich an, als wäre er vom Lastwagen überrollt (oder von einem Wohnmobil, dessen Fahrer nicht so talentiert ist wie meiner). Heute waren wir wieder klettern, diesmal ohne Kinder auf dem Rücken sondern mit den Kindern in den Seilen – clip’n’climb. Jetzt steht Neujahr vor der Tür, in Wanaka ist ganz schön was los. Wir finden das toll, so können wir „Leute gucken“ beim Espresso trinken.

Neujahr, ja genau. Das Ende von 2017 und der Anfang von 2018. Irgendwie spielt das gerade so keine Rolle. Wir wissen oft nicht, welchen Wochentag wir haben, deswegen ist es auch zweitrangig ob 2017 oder 2018. Wir leben im hier und jetzt – und das ist gut so. Was uns 2017 Freude bereitete, das bereitet uns 2018 Freude. Was wir 2017 geliebt haben, lieben wir 2018. Was brauchen wir mehr als unsere Gesundheit und unsere Familie? Gesundheit und Liebe, das trägt uns. Deswegen wünsche ich euch genau das. Seid gesund, bleibt gesund. Und liebt und werdet geliebt. Klingt super kitschig, mag sein. Aber ich meine und fühle es so. Die wichtigsten Menschen in meinem Leben, Fräulein Flunker und Napoleon, zeigen es mir: liebe mich und ich fühle mich gut. Liebe mich und ich fühle mich gut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.