Alltagsgeschwindigkeit – renn ich noch oder ruhe ich schon?

Was bestimmt das Tempo das ich beschreite. Was bestimmt ob ich hastig renne, gemächlich gehe oder energisch schreite? Das frage ich mich manchmal. Ich frage es mich vor allem dann, wenn ich glaube, die Geschwindigkeit meines Tuns nicht mehr selber zu kontrollieren. Wenn es tut. Wenn es rennt. Wenn es eilt. Von hier, nach da, zurück, von vorne, noch einmal.

Alltagsgeschwindigkeit

Dann frage ich mich, ob es das Tempo ist, das ich wähle. Oder ob es das Tempo ist, dass mich dirigiert. Und ich realisiere, dass es wohl eine Kombination aus beidem ist. Das ich dem Takt des schnellen Alltags folge und gleichzeitig selber entscheide, die wenigen Lücken die es gibt mit Dingen zu füllen, die das Tempo gleichmässig hoch halten.

Und so folge ich dieser Geschwindigkeit, die mich dirigiert und die ich selber wähle und merke, dass es zu schnell ist. Zu lange zu schnell war. Eine simple und einfache Einsicht. Tatsache. Ich war einfach zu lange zu schnell unterwegs. Und ich hatte es eigentlich immer mal wieder bemerkt. Eigentlich. Aber da war ja keine Zeit für eine andere Gangart. Sagte ich mir. Und ich glaubte es. Und es war wohl tatsächlich so. Es war einfach keine Zeit für eine andere Gangart.

Ich gestehe ein. Ich bin ein Wirbelwind. Dies und das. Dort und da. Geht nicht, gibt’s nicht. Wenn es rollt, dann rollt es. Ich kann das schrecklich gut aushalten. Schrecklich lange und schrecklich gut. Wo ist also das Problem? Es scheint ja zu klappen. Ja. Das tut es. Aber nicht für zu lange. Und da ist das Problem. Was ist zu lange?

Das ist genau die Antwort, die ich nicht habe. Also zumindest nicht generalisiert. Ich spüre den Moment des «zu lange». Das tue ich. Aber er kommt spät. Er kommt und ich führe innerlich jedes Mal ein Gespräch mit meinem Kopf und meinem Herz, ob es wirklich zu viel ist. Oder ob es noch geht. «Ich bin müde.» «Bin ich wirklich müde?» «Ich brauche eine Pause.» «Kann ich nicht noch ein wenig weiter rennen?» «Ich bin erschöpft.» «Du kannst das doch, oder?» «Ich sehne mich nach Ruhe.» «Komm, das wird toll und schau, es passt ja noch zwischen die Termine hinein, keine Sorge.»

Keine Sorge. Ja, keine Sorge. Ich mache mir nie Sorgen um mich. Ich habe es noch immer geschafft. No worries. Wirklich. Ich schaffte es gestern, schaffe es heute und ich schaffe es all die Tage noch, die vor mir liegen. Da mache ich mir wirklich keine Sorgen. Wenn ich mich überhaupt sorge, dann immer um die anderen. Bei mir weiss ich ja, dass es läuft. Kommt schon gut. Irgendwie.

Und jetzt ist da wieder so eine Zeit. Ich renne schon ganz lange ohne Pause in einem sehr rasanten Tempo. Und es macht Spass. Und es ist erfolgreich. Und es ist machbar. Aber ich möchte jetzt nicht mehr rennen. Ich möchte gemächlich spazieren und Pause machen. Und das tue ich. Das tue ich immer. Aber immer auf den letzten Drücker. Yep. Das bin ich. Unverbesserlich, ein wenig.

Manchmal denke ich, meine Schalthebel für die schnellen Gänge ist rechts. Da wo ich super gut hinkomme. Beschleunigen ist nie ein Problem. Pffff. Easy. Wirklich. Runterschalten? Dieser Hebel sitzt links. Und weil ich so eine sympathische rechts-links-Schwäche habe denke ich, find ich den linken Hebel einfach schlechter. Eine tolle Art, sich die Dinge schön zu reden nicht?

Ja vielleicht rede ich mir die Dinge manchmal schön. Ist ok, habe ich vor einiger Zeit entschieden. Es ist ok, dass ich zwar weiss, dass ich viel zu schnell und pausenlos umher eile. Es ist ok, dass ich es weiss und es doch nicht anders mache. Es ist ok, dass es an’s Limit gehen muss, bevor ich abbremse. Es ist einfach ok. Manchmal dirigieren einem die Umstände, manchmal wählt man selber. Ob es einen Unterschied macht weiss ich nicht. Ich renne umher, wenn es mir aufgezwängt wird. Ich renne aber auch oft umher, wenn ich selber entscheide, wie hoch die Geschwindigkeit ist. Wieder eine Tatsache.

Und so bin ich nun am Limit angelangt, wo mein Kopf und mein Herz nicht mehr diskutieren. Nein. Sie sind sich ohne Umschweife einig, dass nun eine Pause angesagt ist. Aus die Maus. Pause. Und so greife ich auf meine linke Seite und schalte nicht nur einen Gang hinunter, sondern gleich drei oder vier. Es ist quasi die Notbremse vor der Katastrophe. Wie immer. Wie immer. Auf den letzten Drücker. Aber es ist immer rechtzeitig. Nie zu spät. Und irgendwann, nicht in allzu ferner Zukunft, renne ich wieder. Renne freudig umher und lebe von meinem hibbeligen Umhereilen. Und bin glücklich. Und bin enthusiastisch. Bis zur nächsten Pause über die Notbremse. Und es ist ok so. Es ist einfach ok so.

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