All diese Emotionen – nur zu, meine Tür ist offen.

Oh diese Emotionen. Was können sie einen doch durcheinander bringen. Sie rütteln, schütteln, lassen grübeln – freudig, traurig, das ganze Programm. Wenn sie so schön differenziert nacheinander kommen, kein Problem. Mal ist man freudig, mal sauer, mal traurig, mal hibbelig. Das macht es abwechslungsreich. Das macht es authentisch. Aber manchmal, da kommen sie alle auf’s mal. Gleichzeitig. Und dann wird’s herausfordernd. Ich hab letzte Woche gerade so ein exklusiv all-inclusiv Emotionspaket zugestellt bekommen.

Wir haben Streit

Ich am Grübeln

Ich kann mich allerdings nicht daran erinnern, ein solches Paket bestellt zu haben. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, den Wunsch nach einer Bestellung wie dieser gehabt zu haben. Und jetzt hab ich’s einfach. Ohne Sendungsverfolgungsnummer die mich irgendwie hätte vorwarnen können, hab ich das Paket und bin ein wenig überfordert. Ok, geflunkert. Ich bin TOTAL überfordert. Ich bin bildlich mit der gusseisernen Bratpfanne davon erschlagen worden. Wurde in’s vorübergehende Delirium befördert. Und dabei habe ich für das gerade überhaupt keine Zeit. Ich habe keine Zeit für ein Emotions-Tohuwabohu. KEINE ZEIT – und anscheinend auch keine Nerven.

Ich hab’s nämlich ein wenig kommen sehen. Konnte es spüren, dass sich etwas anbahnte. Und ich hab’s erfolgreich über Tage und Wochen ignoriert. Das kann ich herrlich gut. Ich bin ein Experte darin. Nicht im „etwas vor mich hinschieben“, nein. Aber im hoffnungslosen Versuch, immer alles positiv zu sehen. Ich bin eines dieser nervtötenden Stehaufmännchen – Stehauffrauchen. Ich stehe auf, immer und immer wieder. Gerne. Es macht mir nichts aus, ich kann so einiges aushalten.

Ja, das kann ich. Bis zu diesem einen Zeitpunkt, wo dann all die aufgewendete positive Energie einmal mehr auf die Probe gestellt wird und ich merke: so, ich glaub das Fass ist voll. Und dann schwappt es über. Das Fass voller Zeugs. Und das Zeugs zeigt sich dann als Emotions-Karussell. Ich kann anscheinend sachliche Dinge, Situationen, Aufgaben und Herausforderungen in grossen Mengen absorbieren, erledigen, oder abgeben. Aber ich kann die Emotionen die daran geknüpft sind nicht loslassen. Loslassen. Ja, das kann ich nicht so gut.

Und jetzt ist es da, dieses vorhin genannte Emotions-Paket und ich bin überfordert. Da kommt nun alles auf’s mal auf mich zu. Was mach ich jetzt damit? Leider mache nicht ICH etwas damit. ES macht mit MIR. Es rüttelt und schüttelt mich und es lässt mich grübeln. Ununterbrochen. Über all die Emotionen, die in den vorausgegangenen Tagen und Wochen da waren aber von mir nicht verarbeitet und ad-acta gelegt wurden. Es ist wie ein Cocktail der zu stark ist. Eine Reizüberflutung. Ich bin nicht fähig, einzelne Aspekte einzuordnen und wirble herum und drehe mich im Kreis. Lass los, Liebe. Lass es fliessen. Lass los. Ich kann nicht. Ich kann nicht. LOSLASSEN.

Auch das weiss ich, spüre es oft wenn es Zeit wäre, loszulassen. Und ich mühe damit habe. Ich bin eine Heldin im Entsorgen und Entrümpeln. Ich besitze wenig, von vielem sogar gar nichts. Dekorationssachen lassen sich mit zehn Fingern abzählen. Schminksachen auch. Aber ich kann nur mit Mühe Eindrücke und Emotionen loslassen. Schwierig. Wahnsinnig schwierig. Oft tue ich mir damit nicht nur nicht gut – ich tue mir weh und lasse mich verletzt liegen. Wie offene Wunden fühlt es sich an, die nicht heilen wollen. Und weil ich Grüble, weil da so viele Emotionen sind, schütte ich immer wieder Salz in die Wunden. Selber. Ganz selber.

Es wäre wohl einfacher, täte das jemand anderes. Täte das eine Person, die nicht ich bin. Ich könnte wütend sein und befehlen, er oder sie solle aufhören. Wahrscheinlich würde die Person aufhören. Sage ich es aber zu mir selber, höre ich mir einfach nicht zu. Ich denke: blablabla. Und bleibe liegen mit all diesen offenen Wunden.

Vielleicht, wer weiss, werde ich mir bald eine bessere Strategie zulegen. Werde aufstehen und weiter gehen. Oder ich werde sogar das Paket einfach nicht annehmen. Nein, hier wohnt keine Fiorina, das Paket ist nicht für mich. Oder noch besser: ich höre auf meinen Bauch. Dieser supertolle Bauch der bereits so früh immer spürt, was passiert, was geschieht. Wer weiss. Jetzt liege ich noch. Das ist meine momentane Strategie. Keine sehr gute, aber ich habe aufgehört mich darüber zu ärgern. Die Strategie gehört zu mir, wie vieles anderes. Manches ist gut, manches verbesserungsfähig. Sie gehört zu mir wie meine Geschichte. Und vielleicht ist es ja meine Geschichte, die die Strategie aussucht und mich dazu bringen will, dass ich das Loslassen lerne. Endlich lerne. Irgendwann. Irgendwie.

Und so kann ich nur glücklich sein über all die lieben Menschen um mich herum, die es mir nicht übel nehmen, wenn ich mal wieder eines dieser Pakete mit mir herumschleppe. Es nicht ablegen kann. Es nicht loslassen kann. Dankbar bin ich euch, dass ihr mich nehmt, wie ich nun mal bin. Danke ihr lieben Menschen, die ich euch so gerne habe, dass ihr mich nicht liegen lasst, sondern mir wieder aufstehen helft. Indem ihr mir zuhört, indem ihr mich umarmt, indem ihr mir sagt, dass das nicht so schlimm ist – so zu fühlen, wie ich gerade fühle. Danke.

 

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