Bitte Bitterstoffe!

Erinnert ihr euch, wie ihr früher bei Mama immer zugeschaut habt, wie sie den Chicoree Salat in warmes Wasser eingelegt hat, um die Bitterstoffe etwas zugänglicher zu machen. Oder wie ihr als Kinder, wenn’s niemand gesehen hat, die roten Blätter des Radicchio aus dem Salat raus stibitzt habt, weil ihr die nicht gerne hattet – zu bitter, hui.

Bitte Bitterstoffe

Ja, die guten alten bitteren Zeiten. Dahin sind sie. Nur noch nostalgische Erinnerung – #ichheuldenbitterstoffennach. Denn bitter ist ein Geschmack, der dem modernen Menschen heutzutage nicht mehr mundet. Die Lebensmittelindustrie trimmt uns auf salzig und süss – hallo Thema Zucker und Salz, ich schreib noch ein Buch darüber, das Teil hat dann 3648 Seiten! Entweder man züchtet einen geringeren Bitterstoffanteil heran oder man eliminiert diesen komplett. Lässt sich ja nicht verkaufen, und macht eben auch nicht süchtig. Wie dies Zucker und Salz leider tun.

Dass aber Bitterstoffe unabdingbar für unseren Organismus sind und vor allem die Verdauung optimal unterstützen, scheint einfach ignoriert zu werden. Verdauung, Leber und Galle fordern aber nach Bitterstoffen, denn nur durch deren Anwesenheit funktionieren sie einwandfrei. Kommen Bitterstoffe mit der Zunge in Berührung, stimulieren sie nebst der Speichelproduktion bereits auch den Magen, die Leber, die Gallenblase und die Bauchspeicheldrüse. Diese beginnen vermehrt mit der Sekretion der Verdauungssäfte und Verdauungsenzyme. Auch die Entgiftung der Leber wird durch Bitterstoffe aktiviert , ein wichtiger Prozess um all die Abfallprodukte im Körper auszuschaffen. Verschiedenste Beschwerden können also mit Bitterstoffen angegangen werden: Aufstossen, Blähungen, Schwäche der Verdauungsdrüsen von Magen und Darm, Leberfunktionsschwäche, Störung der Gallenblasen- und Bauchspeicheldrüsenfunktion, und und und.

Es lohnt sich also, den Bitterstoffen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und sie vermehrt auf den Teller oder in’s Glas zu bringen. Das kann beim einen oder anderen anfangs etwas Überwindung benötigen – denn bitter haben wir ja verlernt, wie oben erwähnt. Dann heisst es: Schritt für Schritt immer mehr Bitterstoffe miteinbeziehen. Vielleicht hilft es der Motivation, wenn man weiss, dass bittere Lebensmittel sehr Figur schmeichelnd sind. Sie liefern einen geringen Teil an Kalorien im Vergleich zu all dem süssen und salzigen Zeugs, dass wir dem Bitteren vorziehen.

Okey, all die bitteren Lebensmittel gehören definitiv nicht in die Kategorie „toller-TV-Snack“. Weder ihr noch ich (und ich LIEBE bitter) werden sie uns einverleiben und kaum die Finger davon halten können, wie dies bei gerösteten und gesalzenen Erdnüssen der Fall ist (bei mir sind’s die Wasabi überzogenen Erbsen – Wasabi coated peas – Schrott, ich weiss, und trotzdem führen wir eine, zwar sehr seltene, wenn aber dann heiss-innige Affäre).

Löwenzahn, Artischocken, Grapefruit, Radiccio, Chicoree, Spinat, Mangold, Spargel, Chinakohl, Rhabarber, Kurkuma, Thymian – alles Lebensmittel die Bitterstoffe liefern und uns so viel Gutes tun. Aber eben, wir essen sie nicht kiloweise. Ist auch gut so, es braucht nicht gleich Unmengen davon. Aber immer mal wieder, am besten täglich etwas davon, wäre optimal. Damit stabilisieren wir unser Verdauungssystem und tun weit mehr Gutes, als wir einschätzen können. Denn unser Körper ist ein riesiges Netzwerk an Prozessen, Abläufen und Funktionen, die alle miteinander agieren, oder eben nicht agieren. Bitterstoffe sind ein Teil davon und wenn sie fehlen, läuft es eben nicht mehr so rund wie mal angedacht.

4 Gedanken zu „Bitte Bitterstoffe!

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