Willkommen bei den Sch’bringetti’s – Teil 3

Dass der Mond so mir-nichts-dir-nichts anders sein soll am nächsten Tag, kann ja auch nur ein Vollidiot glauben. Oder ich! Ja, wirklich – der Glaube an einen besseren Tag war echt da, und zwar total unromantisch und realistisch. Deswegen ist der Schlag in’s Gesicht umso härter. Auch heute – willkommen bei den Sch’bringhetti’s – ist der Tag eine monströse Herausforderung.

Willkommen bei den Sch'bringetti's

Aber ich bin auch einfach nur zu gutgläubig: wie soll es schon harmonisch ablaufen, wenn alle angeschlagen sind, die Mama von allen am meisten. Da spüren doch alle gegenseitig, dass Schwächen und Löcher in der Ritterrüstung da sind. Und wir Menschen sind alle gleich, egal ob erwachsen vernünftig, kindlich unschuldig oder erwachsen und kindlich unvernünftig. Wir pisaken dann ganz gerne und nur all zu oft.

Es fallen Sätze wie „Jetzt mach doch endlich vorwärts“ „Ich mach ja schon!“ „Ich sag es jetzt schon zum fünften Mal!“ „Nein, sagst du nicht!“ „Lass meine Tasche in Ruhe. Nein, nicht die Wasserkanne!“ Blablablablablablablablabla. Kann sich noch jemand an die Simpsons Episode erinnern, wo Marge zu Homer spricht und dieser in Hundemanier nur blablablablablabla versteht? Irgendwie ist mir diese Szene immer mal wieder präsent, nämlich dann, wenn ich merke: ich rede einfach zu viel. Zu viele Worte, zu viele Sätze. Nein liebe Leute, nicht dass Tagessoll dass ich so oder so immer quassle (die, die mich kennen, schmunzeln jetzt – ja ja ja ja, ich rede viel und oft, ich WEISS). Ich meine die unzähligen Worte, die nur dazu da sind, die Kinder in eine von uns bestimmte Richtung zu lenken. Also schnell schnell da, hopp hopp dort. Dabei will ich dass doch eigentlich gar nicht. Ich will nicht meine Kinder beeilen müssen, sie zur Eile drängen, beim Anziehen helfen weil es mir zu langsam geht. Das will ich eigentlich gar nicht. Und doch tue ich es – an Tagen wie diesen. An Tagen wo ich nicht fit bin, wo ich mich am liebsten hinlegen und krank sein würde, aber dafür keine Zeit habe.

Am Ende des Tages, jetzt, fühle ich mich ausgelaugt und unzufrieden, ein bisschen traurig sogar, weil ich mich dafür verantwortlich sehe, dass wir einen so harzigen Tag hatten. Weil der Tag nicht reibungslos verlief und wir nicht einfach nur Spass hatten. Weil ich viel mehr Kuscheln wollte, Umarmen und Lachen. Das fühlt sich in meinem Bauch und in meinem Herzen traurig an.

„Sei nicht so streng zu dir“ sagt mir meine allerbeste verständnisvolle Superhälfte. Ja, kenn ich doch, das Thema. Sei nicht so streng zu dir. Papa- und Mamaherzen sind immer streng zu sich, die meisten zumindest. Denn der Balance-Akt zwischen Lebensfreude feiern, Spass haben, Grenzen setzten, konsequent sein, bester Freund und eben doch in erster Linie Erzieher sein – dieser Balance-Akt gleicht einem Artisten-Dasein, einer Trapeznummer auf dem Hochseil. Zwar machbar, aber nur mit viel Konzentration, Übung, Disziplin und Erfahrung. Manchmal aber fehlt einem Papa- und Mamaherzen einer dieser Tugenden, unsere Skills sind nicht ständig abrufbar. Dann muss man sich irgendwie auf dem Seil halten, komme was wolle. Oder aber man lässt sich in’s Rettungsnetz fallen – nagt zwar etwas am Selbstbewusstsein, aber auch das muss sein.

Auch wenn ich es möchte, ich kann es nicht: die perfekte Mama sein. Geduldig, einfühlsam, zuvorkommend, immer das passende Wort, immer das vernünftige Handeln, stets für alle und alles da. Dafür bin ich eine leidenschaftliche Mama: immer authentisch, gefühlsvoll, ehrlich, direkt, menschlich, unperfekt und jeden tag so wie’s halt grad so ist. Wie die Kinder eben auch.

Dieser Gedanke und die lieben Worte meiner besseren Hälfte helfen mir, das peinliche Tränchen, dass ich jetzt einfach nicht mehr unterdrücken kann, zu trocknen. Sei nicht so streng zu dir, deine Kinder sind auch nicht so streng zu dir. Ja, das merk ich mir. Genau so lange, bis in einigen Wochen ein identischer  Tag wieder kommt und ich wie ein Anfänger die gleichen Fehler erneut begehe und Rotz und Wasser heule. Bis mir in den Sinn kommt, meinen Blog zu diesem Thema zu lesen – und dann lache ich: über mich, über die Welt, über das zu 100% sicherlich wiederkommende gleiche Dilemma in einigen Wochen.

 

5 Gedanken zu „Willkommen bei den Sch’bringetti’s – Teil 3

  1. Jacqueline Bütler sagt:

    Ach wie sehr ich da mitfühlen kann. Solche tage…..tja….fio ich liebe es deine tollen texte zu lesen. Danke!

  2. Andrea Joho-Gugerli sagt:

    Wunderbar – wie in einem Spiegel schauen und gleichzeitig tröstend zu erfahren, dass andere auch solche Tage haben, an denen man an den eigenen Ansprüchen scheitert ? sei nicht so streng zu dir … Den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden … Schön zu wissen, dass auch andere nicht perfekt sind ? Danke ?

    • Mamalltag sagt:

      Liebe Andrea Joho-Gugerli, gell, das Wissen, dass es anderen gleich geht, tut gut. Mir tut es auch immer gut. Von Herzen gern geschehen, schön gefällt dir mein ehrlicher, einfacher, authentischer mamalltag 🙂

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